Pfeile im Rahmen einer Kunstausstellung

Resiliente Wissenschaft

Schutzmaßnahmen, Ressourcen und Anlaufstellen zum Umgang mit wissenschaftsfeindlichen Angriffen.
Pfeile im Rahmen einer Kunstausstellung
Bild: Possessed Photography (Unsplash)

Was tun, wenn die eigene Forschung politisch angegriffen wird? Wer hilft – und wie?


Warum das wichtig ist – Wissenschaft unter Druck

Angriffe richten sich gezielt gegen Forschende aus den Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften – insbesondere bei gesellschaftlich umstrittenen Themen wie Krieg und Frieden, sowie Virologie und Klimaforschung.

45% der 2023 befragten Wissenschaftler:innen in Deutschland haben Wissenschaftsfeindlichkeit selbst erlebt, 70% nehmen eine Zunahme in Deutschland wahr (DZHW-Studie 2024Externer Link).

Typische Angriffsformen

  • Gezielte Störungen von Veranstaltungen
  • „Empörungswellen“ nach Interviews, Posts oder Publikationen
  • Hassrede in Social-Media-Kampagnen und Shitstorms
  • Zahlreiche Mails, Anrufe, Kommentare
  • Persönliche Angriffe und Veröffentlichung privater Daten („Doxxing“)
  • Forderungen nach Entlassung, Ausladung, Mittelentzug
  • Politische Anfragen nach Namen, Inhalten, Fördermitteln
  • Koordinierte Beschwerden und parlamentarische Anfragen

Hinweis

Mit solchen Anfeindungen sind Sie nicht allein. Sie sind dokumentierbar und es gibt kommunikative, rechtliche und psychologische Unterstützung.

  • Download statt Scrollen?

     pdf, 1 mb

    Die auf dieser Webseite gebündelten Ressourcen und Handlungsschritte zum Umgang mit Wissenschaftsanfeindungen stehen Ihnen auch als herunterladbare Broschüre zur Verfügung.

    Deckblatt der Broschüre
    Foto: KomRex

Prävention & Schutzmaßnahmen

  • Für Einzelpersonen
    • Datensparsamkeit: persönliche Kontaktdaten aus öffentlichen Verzeichnissen reduzieren
    • Kolleg:innen-Netzwerk als Bystander-Ressource aufbauen
    • Regelmäßige Suche nach eigenen Daten in öffentlichen Quellen
  • Für Veranstaltungen
    • Zugangskontrolle & Hausrecht konsequent kommunizieren
    • Vorab: Umgang mit störenden Teilnehmenden klären
    • Videoaufnahmen ohne Einwilligung untersagen
    • Backup-Kontakt für Notfallsituationen benennen
  • Für Hochschulen / Leitungen
    • Multidisziplinäres Support-Team einrichten (Recht, Kommunikation, IT, Personalwesen)
    • Verbindliche Meldewege für Einschüchterungsversuche
    • Klares institutionelles Statement zu Wissenschaftsfreiheit
    • Anlaufstellen benennen
    • Vorbereitete Statements für Angriffssituationen bereitstellen
    • Positionierungen und Selbstverpflichtungen partizipativ entwickeln
    • Wissenschaftsspezifische Auseinandersetzung mit Wissenschaftsfreiheit fördern
    • Risikobewertungen und Checklisten als Angebot bereitstellen

Im Ernstfall: Sofortmaßnahmen

1. Sicherheit prüfen
 Bei unmittelbarer Gefahr: Polizei (110) & Campussicherheit kontaktieren. Eigene Sicherheit hat Vorrang.

2. Dokumentieren und Drohungen ernstnehmen
Screenshots mit Zeitstempel, URLs, Metadaten sichern. Gedächtnisprotokolle anlegen. Anleitung für rechtssichere Screenshots finden Sie bei HateAidExterner Link.

3. Nicht alleine bleiben
 Vorgesetzte, Vertrauenspersonen, Beratungsstellen informieren. Kolleg:innen einbeziehen – auch als   Zeug:innen. Scicomm-Support: 0157 923 448 04 – unterstützt auch bei latenten Bedrohungslagen

4. Keine übereilte Reaktion
Keine Ad-hoc-Antworten auf Angriffe. Erst intern abstimmen und Kommunikationsstrategie klären. Drei mögliche Strategien:

♦ Nicht füttern („don’t feed the trolls”): Reaktionen können den Vorfall verlängern
♦ Klar begrenzen und moderieren: Regeln posten, löschen / ausblenden, blockieren, melden
♦ Gezielt Stellung nehmen (mit Organisation und unter Einbindung der Pressestelle): nur mit Plan, Fakten, kurzer Kernbotschaft

5. Beratung suchen
Fachliche Unterstützung holen (siehe unten). Rechtliche und psychologische Beratung in Anspruch nehmen.

Quellen: siehe "Leitfäden zum Download"

Hinweis

Die Campussicherheit / Notfallnummer Notruf Sicherheitsdienst: +49 3641 9-419999

Anlaufstellen & Ressourcen


Über diese Online Ressource

Wissenschaftsfeindliche und politisch motivierte Angriffe auf Wissenschaftler:innen durch parlamentarische Anfragen, koordinierte Online-Kampagnen oder persönliche Bedrohungen nehmen zu.

Diese Webseite und unsere herunterladbare Broschüre bündeln Ressourcen und erste Handlungsschritte für alle, die an der FSU Jena und darüber hinaus forschen und lehren.

Herausgegeben vom Zentrum für Rechtsextremismusforschung, Demokratiebildung und gesellschaftliche Integration (KomRex) an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Weiterführende Publikationen